Wenn Forstleute den Wald spielen
Was der Bernische Forstverein durch das Strategiespiel WaldWege lernte
Im Oktober 2025 kamen Mitglieder des Bernischen Forstvereins zusammen, um ein Spiel zu spielen. Und schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass WaldWege, unser Strategiespiel zur Forst- und Holzlieferkette, mehr über reale Waldsysteme offenbart als viele herkömmliche Workshops.
Gemeinsam entwickelt von LEAF Inspiring Change und FSC Schweiz sowie mit Unterstützung von der Berner Fachhochschule und der Pädagogischen Hochschule Zürich versetzt das Spiel die Spielenden in die Rolle von Förster:innen, Sägewerken und Bauunternehmen. Im Spielverlauf entstehen durch die Entscheidungen, Annahmen, Verhandlungen und Abwägungen der Teilnehmenden die Ergebnisse des Spiels und damit des Waldmanagements.
Was konnte aus dem Spiel mitgenommen werden?
WaldWege machte Dynamiken sichtbar, die für Forstpraktiker:innen und Branchenorganisationen von hoher Bedeutung sind, wie beispielsweise:
Kommunikation unter Druck: Zeitdruck erschwerte die Koordination und vollständige Transparenz schwächte mitunter die Verhandlungspositionen.
Anreizstrukturen: Wirtschaftliche Anreize überlagerten häufig die angestrebten Nachhaltigkeitsziele, selbst bei erfahrenen Fachleuten.
Rückkopplungen in der Lieferkette: In einem Szenario führte eine verstärkte Bewirtschaftung mit Laubholz zu einem besseren Waldzustand und geringerem Schadrisiko – eigentlich eine positive Entwicklung für die Baubranche – die allerdings nicht spürbar wurde, weil das Material von Sägewerken als Energieholz statt als Bauholz genutzt wurde.
Zertifizierungsdynamiken: Zertifizierung erleichterte zunächst die Zusammenarbeit, doch einige Akteure fingen an, das System zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Dadurch wurde Vertrauen untergraben.
verschiedene Ergebnisse: Reaktionen auf unvorhersehbare Ereignisse und Verzögerungen führten zu ungleichen Ergebnissen, selbst bei identischen Ausgangsbedingungen.
Zusammenarbeit: Teams arbeiteten tendenziell effektiver und erfolgreicher als Einzelpersonen.
Diese Beobachtungen aus dem Spiel sind nicht unrealistisch, denn sie spiegeln die realen Spannungen wider, mit denen Forstfachleute täglich konfrontiert sind.
Ein Werkzeug für Praktiker:innen in komplexen forstlichen Realitäten
WaldWege ist „nur“ ein Strategiespiel, doch Fachleute erkennen schnell, wie praxisrelevant es ist. Das Spiel ermöglicht es ihnen, mit Entscheidungen zu experimentieren, die sie im echten Berufsalltag möglichst gleich beim ersten Mal richtig treffen müssen – etwa bei Erntestrategien, langfristiger Verjüngung, dem Umgang mit Störungen, dem Ausbalancieren von Biodiversitätsmaßnahmen oder bei Marktveränderungen. Das Spiel bildet Walddynamiken, Schutzfunktionen, Zertifizierungswege, Klimaeinflüsse und Wechselwirkungen innerhalb der Holzlieferkette realistisch ab.
Noch wichtiger ist jedoch, dass es einen gemeinsamen Raum schafft, in dem Forstleute, Sägewerke und Akteure der Bauwirtschaft sehen können, wie ihre jeweiligen Entscheidungen sich gegenseitig beeinflussen – positiv wie negativ.
Viele Praktikerinnen und Praktiker sagen uns, dass ihnen das Spiel etwas bietet, was im Arbeitsalltag selten vorhanden ist: den vollständigen Überblick.
Es macht deutlich, dass nachhaltige Waldwirtschaft weit mehr ist als reine Waldbewirtschaftung. Sie bedeutet langfristige Planung, Verhandlung, Koordination, das Setzen von Anreizen, Risikomanagement, Marktprognosen und systemorientiertes Denken. In WaldWege wird all das in nur wenigen Stunden mit intensiver Entscheidungsfindung verdichtet.
Stärkung des gemeinsamen Verständnisses
Workshops wie jener mit dem Bernischen Forstverein zeigen, wie erfahrungsorientierte Formate wie ein Strategiespiel Forstakteure dabei unterstützen können, ein umfassendes Bild vom Verhalten des Gesamtsystems zu entwickeln und zu erkennen, wo Koordinationsherausforderungen ihren Ursprung haben. Indem die Teilnehmenden realistische Szenarien in einem strukturierten Rahmen durchspielen, gewinnen sie Erkenntnisse, die strategische Gespräche, Planungsprozesse und die Zusammenarbeit im gesamten Wald-Holz-Sektor unterstützen können.
Story geschrieben von: Miriam Hausl, bearbeitet von LEAF; Photo credits: LEAF, 2025
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